Die Kinotypen

Jeder kennt sie oder mindestens ein Exemplar davon: Die Schwätzer. Die Schmatzer. Die Rascheler. Die Unordentlichen. Die Schreiber. Die Schnarcher.
Man könnte die Liste beliebig fortführen, aber wir widmen uns heute einfach mal ein paar Vertretern dieser besonderen Spezies.

Kinogänger treten in verschiedenen Konstellationen auf.
Wir haben da zum Einen den Einzelgänger. Er schaut sich die Filme an, die ihn berennend interessieren. Scheinbar nur ihn oder warum geht er allein? Uns sind schon mehrfach Single-Biertrinker aufgefallen, die noch vorm Ende des Films den Saal verlassen haben. Und: nie wieder gekommen sind. Was ist bloß mit ihnen passiert? Vielleicht gab es an der Bar kein weiteres Bier mehr und deshalb haben sie sich entschlossen, den Abend vorzeitig zu beenden?

Ganz besonders herzerwärmend sind aber die Knutscher und Fummler. Möglicherweise haben sie bewusst den dunklen Kinosaal für das erste Date gewählt, damit das Knutschen beim ersten Treffen einfacher wird. Schließlich ist man in so einer wohligen Atmosphäre, sofern es kein Zombiefilm ist, eher auf Kuschelkurs.
Ihr Lieben, je nachdem wer das erste Date im Kino plant: wählt den Film und das Genre mit bedacht und reserviert, wenn möglich den Pärchsitz, ohne störende Armlehne. Wollt ihr euren Beschützerinstikt raushängen lassen, dann könntet ihr ja einen Horrorstreifen ansehen und bei Gefahr schützend euren Arm um euren Sitznachbarn legen. Aber vorsicht: merkt euch auf welcher Seite euer Date sitzt.
Aber denkt auch daran, dass ihr niemals allein seid. Ein bisschen Verliebtheit stört sicher niemanden, aber es sollte im Rahmen bleiben und vielleicht sucht ihr euch eher einen Platz aus, der etwas außer Sichtweite der anderen Kinobesucher ist.

Auch oft gesehen: die Schreiber. Während der Werbepause wird noch einmal schnell Instagram, Snapchat und Co. aktualisiert und allen mitgeteilt, dass man jetzt den neuesten Blockbuster im Kino ansehen wird. Sekündlich bis der Vorhang ganz aufgeht und das Licht langsam ausgeht, wird geprüft, ob auch möglichst viele Follower ein „Like“ abgegeben haben. Gern wird auch nochmal per WhatsApp nachgehakt, ob Freund XY schon gesehen hat, dass man jetzt im Kino ist und warum noch kein „Gefällt mir“ gedrückt wurde.
Es wird dunkel und das Handy wird in der Tasche verstaut. Die ersten Sekunden Films, so oft auch die wichtigsten, starten. Langsam aber sicher meldet sich das brennende Verlangen in den Fingerspitzen, dass man das Smartphone spüren will. Es kommen Gedanken hoch: vielleicht hat jemand angerufen oder eine wichtige Nachricht geschrieben. Oder vielleicht hat der süße Typ oder die hübsche Blonde auf mein Foto bei Instagram reagiert. Ob ich auf dem letzten Snap auch wirklich gut ausgesehen habe? Oh Gott, bei all diesen Gedanken, hat man völlig vergessen auf die Story des Films zu achten und versucht sich an die Bilder zu erinnern, die man eben nur durch einen Schleier mitbekommen hat. Wenige Minuten später: der Griff zum Handy. Es fühlt sich an wie eine Erlösung. Die Ernüchterung folgt zugleich: keine Benachrichtigungen.

Bei all den verschiednenen Kinogästen hat man definitiv viel zu entdecken und ein großes Publikum bringt sie noch eher hervor, als ein nahezu leerer Kinosaal. Denn, wenn wir ehrlich sind, fühlen wir uns in einer großen Masse doch eher unbeobachtet. 🙂

Nun aber mal zurück zum Ernst der Lage, wir alle haben schon einmal beim Film geschwatzt, mit der Chipstüte geraschelt, eine SMS geschrieben oder heimlich geknutscht.
Niemand sollte sich mit unseren Worten verletzt oder angegriffen fühlen. Wenn jemand allein ins Kino gehen möchte, dann soll er das sehr gerne tun. Warum auch nicht? Es gibt hundert andere Gründe, allein Zeit mit sich zu verbringen, als keine Freunde zu haben. Außerdem sind diese Kinotypen keine Störer und genießen den Film ohne unnötiges Geschwätz des Sitznachbarn. Ich, Anne, bin zum Beispiel einfach (fast) immer die, die am lautesten lacht (auch, wenn andere die Szene gerade gar nicht witztig fanden). Zudem bin ich ganz vorne mit dabei, während des Films Szenen zu zerreißen und es meinem Nachbarn mitzuteilen, auch wenn er es wahrscheinlich nicht hören will.

Bloß nicht!

Also ihr lieben Kinogänger, solange ihr keine Filme vom Film dreht, mit euren Liebsten den nächsten Urlaub plant oder anfangt Döner zu verkaufen, solltet ihr euch nicht verstecken und auch in Zukunft die Kinsäle belagern.

Habt ihr euch denn erkannt oder zu welcher besonderen Art der Kinogänger gehört ihr?

Pssst, hier wird bald wieder geflüstert!
Eure Maria & Anne von Filmgeflüster.

2 Comments

  1. Wirklich sehr schöner Artikel, bei dem ich doch oft schmunzeln musste.

    Vor allem die Leute die den Kinosaal verlassen und dann nie wiederkommen? Das wurmt mich den ganzen Film über „Wo ist der Typ denn hingegangen?“. Erinnert mich ein wenig an die verlorene Socke in der Waschmaschine, so tauchen auch diese „Vorzeitg-Verlasser“ irgendwann wieder auf – nachdem man sie seit 5 Tagen als vermisst gemeldet hat. 😀

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