Tigermilch

DE, Regie: Ute Wieland, VÖ: 2017, FSK 12, Drama/Komödie, 106 Minuten

© Constantin Film Verleih

Nini (Flora Li Thiemann) und Jameelah (Emily Kusche) sind beste Freundinnen. Die 14-jährigen Berlinerinnen kann nichts trennen, auch wenn Jameelah und ihrer Mutter die Abschiebung in den Irak droht.

Gemeinsam gegen den Rest der Welt lautet ihre Devise und so verbringen sie tagtäglich damit, ihr junges Leben zu genießen. Am liebsten begießen sie das mit „Tigermilch“ – einem Drink aus Milch, Maracujasaft und Goldbrand.
Den besonderen Kick holen sie sich beim Klauen, Partys feiern und Männer verführen…
Viel wichtiger ist aber, dass in wenigen Tagen die Sommerferien beginnen und so beschließen die zwei Mädels, dass es an der Zeit ist ihre Unschuld endgültig zu verlieren.

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass das die längsten anderthalb Stunden meines Lebens waren. Ich habe wirklich zum ersten Mal mit dem Gedanken gespielt den Kinosaal zu verlassen.
Vielleicht bin ich etwas altmodisch, aber das Verhalten, welches die zwei jungen Damen an den Tag legen, entspricht absolut nicht meinen Wert- und Lebensvorstellungen.

Zudem versucht der Film viel zu viele Themen anzusprechen, die in der Lebenswelt eines Teenagers durchaus eine Rolle spielen. Die Sozialisation ist vielschichtig und kann wahrlich nicht in 1,5 Stunden Kinofilm abgehandelt werden. Warum sucht man sich dann nicht einen relevanten Themenkomplex raus und widmet sich diesem intensiv.

Vielleicht hat man mit dem Blick eines Teenagers eine andere Meinung dazu, aber selbst wenn ich mich an meine Jugend zurückerinnere, kann ich nur wenige Parallelen ziehen.
Sicher sind Themen wie das erste Mal, Alkohol und Verbotenes wichtige Teile des Erwachsenwerdens, aber den Zuschauern und wir sprechen an dieser Stelle von einer jungen, heranwachsenden Zielgruppe, werden hier Verhaltensmuster präsentiert, die zuweilen sehr fragwürdig und für mich persönlich falsch sind.

So sehen wir die Kinder dabei, wie sie erwachsene Männer verführen und sich von diesen tatsächlich zu sexuellen Handlungen hinreißen lassen. Dass sie ihre Körper für das erste Mal verkauft haben, setzt dem Ganzen noch die Krone auf.
Es gab nur ein bis zwei Momente von „und die Moral von der Geschichte“, was meines Erachtens einfach zu wenig ist. Aus Fehlern lernen die Teenies nicht oder nur in einem geringen Maße. Reue sucht man vergebens.

Filme und die Protagonisten erziehen die Konsumenten, indem sie einen Pool an Verhaltensmöglichkeiten vorgeben, aus denen der Zuschauer wählen kann – je nach Sozialisation ordnet der Rezipient selbiges dann ein, ob es „richtig“ oder „falsch“ ist.
Doch gerade die Altersgruppe, die hier angesprochen wird, befindet sich in einer schwierigen Phase der Sozialisation. Nini und Jameelah sind Identifikationsfiguren und werden vermutlich schnell als Vorbilder verstanden. Und ich befürchte das sie kein gutes Beispiel abgeben, sondern die rebellischen Großstadtgören verkörpern, von denen alle pubertierenden Kids träumen. Leben am Limit und das ohne Furcht vor Konsequenzen. Schade! – und beängstigend zugleich.

Die Jungschauspielerinnen Flora und Emily spielen überzeugend, was nicht zuletzt an ihrem Alter und ihrer eigenen Selbstfindungsphase liegen dürfte. Sie sind naiv, frech und unbelehrbar. Der schmale Grat zwischen Kindsein und Erwachsenwerden wird im Film gut sichtbar. So glauben die Mädchen mit einem Liebeszauber ihren Schwarm für sich gewinnen zu können, während sie gleichzeitig mit dem schweren Schicksal leben müssen Zeugen eines Ehrenmordes geworden zu sein.

Ich vergebe für diesen Film einen Stern und hoffe.

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